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<title>O5</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span style="font-family: monospace; font-size: xx-large; font-weight: bold;">O5</span></h1>
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<p><b>O5</b> ist das Kürzel der bekanntesten <a href="%C3%96sterreich" title="Österreich">österreichischen</a> <a href="Widerstand_gegen_den_Nationalsozialismus" title="Widerstand gegen den Nationalsozialismus">Widerstandsgruppe</a> gegen den <a href="Nationalsozialismus" title="Nationalsozialismus">Nationalsozialismus</a>, die ab 1944 in Erscheinung getreten ist. Das Kürzel steht für die Buchstaben O und E für Österreich. Als eine Art „ideologische Überorganisation“ verschiedener Widerstandsgruppen stand ihr „Markenzeichen“ <i>O5</i> über Parteigrenzen und Ideologien hinweg für den gemeinsamen Kampf für ein freies Österreich. Das <i>O5</i>-Zeichen am <a href="Wien" title="Wien">Wiener</a> <a href="Stephansdom" title="Stephansdom">Stephansdom</a> erinnert daran.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Symbol_des_Widerstandes">Symbol des Widerstandes</h2></div>
<p>Die Chiffre <i>O5</i> wurde vom <a href="Steiermark" title="Steiermark">steirischen</a> Medizinstudenten Jörg Untereiner erdacht.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> <i>5</i> steht darin für den fünften Buchstaben im Alphabet, <i>E</i>; zusammengesetzt bedeutet das Kürzel <i>OE</i> beziehungsweise <i>Ö</i>, eine Abkürzung für <i>Österreich</i>. 1944 wurde dieses <a href="Zeichen" title="Zeichen">Zeichen</a> des Widerstands erstmals an mehreren Gebäuden, vor allem in Wien, <a href="Innsbruck" title="Innsbruck">Innsbruck</a> und Südösterreich, angebracht. So ist am Wiener Stephansdom rechts neben dem Riesentor das heute denkmalgeschützte Zeichen <i>O5</i> zu sehen. Ursprünglich war es in weißer Farbe aufgemalt; als es verblasste, wurde es durch die Eingravierung ersetzt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entstehung_und_Vernetzung">Entstehung und Vernetzung</h2></div>
<p>Initiator der Gruppe war <a href="Hans_Sidonius_Becker" title="Hans Sidonius Becker">Hans (von) Becker</a>, der ehemalige <a href="Propaganda" title="Propaganda">Propagandaleiter</a> der <a href="Vaterl%C3%A4ndische_Front" title="Vaterländische Front">Vaterländischen Front</a> im <a href="St%C3%A4ndestaat_(%C3%96sterreich)" title="Ständestaat (Österreich)">Ständestaat</a>. Sofort nach dem <a href="Anschluss_%C3%96sterreichs" title="Anschluss Österreichs">„Anschluss“ Österreichs</a> im März 1938 an <a href="Deutsches_Reich_1933_bis_1945" class="mw-redirect" title="Deutsches Reich 1933 bis 1945">Hitlerdeutschland</a> wurde er im <a href="KZ_Dachau" title="KZ Dachau">KZ Dachau</a> inhaftiert. Nach seiner Entlassung im Dezember 1940 begann er Kontakte zu verschiedenen Gegnern des <a href="%C3%96sterreich_in_der_Zeit_des_Nationalsozialismus" title="Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus">NS-Regimes</a> in Österreich und teilweise auch in Nachbarstaaten herzustellen. In der ersten Zeit dominierten in diesem Netzwerk bürgerlich-konservative Kräfte, es setzte sich zu einem wesentlichen Teil aus Söhnen <a href="Gro%C3%9Fb%C3%BCrger" title="Großbürger">großbürgerlicher</a> Familien und Mitgliedern des ehemaligen Adels zusammen, wie beispielsweise <a href="Alfons_Stillfried" title="Alfons Stillfried">Alfons Stillfried</a>, Wilhelm <a href="Thurn_und_Taxis" title="Thurn und Taxis">Thurn und Taxis</a> oder <a href="Nikolaus_von_Maasburg" title="Nikolaus von Maasburg">Nikolaus Maasburg</a>. Ab 1944 wurden auch Kontakte zu <a href="Sozialdemokratie" title="Sozialdemokratie">Sozialdemokraten</a> und <a href="Kommunismus" title="Kommunismus">Kommunisten</a> geknüpft.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Schwerpunkte der Widerstandsbewegung waren Konspiration gegen das NS-Regime und politische Vernetzung, um im Moment der Befreiung vom Nationalsozialismus aktionsfähig zu sein.
</p><p><i>O5</i> nahm eine ausgesprochen proösterreichische Position ein und stand damit im Kontrast zu jenen Gegnern des NS-Regimes, die auch nach dessen Niederschlagung den Anschluss Österreichs an Deutschland beibehalten wollten (<a href="Adolf_Sch%C3%A4rf" title="Adolf Schärf">Adolf Schärf</a> berichtete später über einen geheimen Besuch deutscher Sozialdemokraten in Wien 1943, die überrascht waren, von ihm <i>Der Anschluss ist tot</i> zu hören).<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Besondere Bedeutung erlangte die O5, da sie über <a href="Fritz_Molden" title="Fritz Molden">Fritz Molden</a> eine feste Verbindung mit den <a href="Alliierte" title="Alliierte">Westalliierten</a> herstellen konnte. Der junge <a href="Wehrmacht" title="Wehrmacht">Wehrmachtssoldat</a> Molden desertierte im Sommer 1944 zu <a href="Resistenza" title="Resistenza">italienischen Partisanen in der Resistenza</a> und schlug sich dann in die <a href="Schweiz" title="Schweiz">Schweiz</a> durch. Dort gewann er das Vertrauen von <a href="Allen_Welsh_Dulles" title="Allen Welsh Dulles">Allen Dulles</a>, dem Leiter des amerikanischen <a href="Office_of_Strategic_Services" title="Office of Strategic Services">Office of Strategic Services (OSS, amerikan. Geheimdienst</a>) in <a href="Bern" title="Bern">Bern</a>. Unterstützt wurde er in der Schweiz von den Exilösterreichern <a href="Kurt_Grimm_(Rechtsanwalt)" title="Kurt Grimm (Rechtsanwalt)">Kurt Grimm</a> und <a href="Hans_Thalberg" title="Hans Thalberg">Hans Thalberg</a> als sogenannte <i>Verbindungsstelle Schweiz</i>, zu der auch <a href="Emanuel_Treu" title="Emanuel Treu">Emanuel Treu</a> gezählt wurde. Mit gefälschten Papieren pendelte Molden zwischen Wien, Innsbruck und der Schweiz, um Gespräche zu führen und Nachrichten zu übermitteln, und trug so zur Aktivierung der Widerstandszellen bei.
</p><p>Aus strategischen Gründen stellte die O5 gegenüber den Alliierten die Größe und Stärke des österreichischen Widerstands übertrieben dar und firmierte als Zusammenfassung aller österreichischer Widerstandsgruppen. In einem Exposé an die Alliierten im März 1945 wurde gar eine Kampfstärke von 70.000 Mann behauptet. Während der Anteil kommunistischer Kräfte in der Widerstandsbewegung gegenüber dem amerikanischen Geheimdienst mit 10 Prozent als sehr gering angegeben wurde, wurde zeitgleich gegenüber kommunistischen Exilorganisationen die kommunistischen Kräfte als „weitaus die stärkste Gruppe“ in der O5 bezeichnet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kooperationen">Kooperationen</h2></div>
<p>Die Bewegung kooperierte mit anderen Zellen des österreichischen Widerstands, vor allem mit einer von Major <a href="Carl_Szokoll" title="Carl Szokoll">Carl Szokoll</a> gebildeten militärischen Widerstandsgruppe im <a href="Wehrkreis" title="Wehrkreis">Wehrkreiskommando</a> XVII und der <a href="Tiroler_Widerstandsbewegung" title="Tiroler Widerstandsbewegung">Tiroler Widerstandsbewegung</a>. Die Bezeichnung <i>O5</i> beschrieb dabei eine zunächst eher unorganisierte Gruppe unter einem einheitlichen Namen. Dies lässt sich auch an den Schilderungen des Widerstandsmitglieds <a href="Johannes_Eidlitz" title="Johannes Eidlitz">Johannes Eidlitz</a> erkennen, der in der Endphase des Krieges mit Szokoll über eine Kooperation verhandelte:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Er [Szokoll] war nur bereit, sich mit der O5 einzulassen, mit der O5 zu verhandeln. Wir fragten, ob er uns nicht sagen kann, was die O5 ist. Und er hat gesagt, dass die O5 die Widerstandsorganisation Österreichs ist. Wir hatten bisher geglaubt, dass wir das sind. […] Wir wussten, dass die nur die O5 haben wollten, wir fanden aber keine O5. Da haben wir ganz einfach gesagt: Wir sind die O5. Wir bilden jetzt einen Siebenerausschuss, der führt die O5.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


.mw-parser-output .Person{font-variant:small-caps}


/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><span class="Person h-card">Johannes Eidlitz</span><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></div></div>
<p>Im November 1944 schuf Becker mit seinen Mitstreitern einen <i>Siebener-Ausschuss</i> als Leitungsgremium, zu dem neben Becker die bürgerlichen <a href="Raoul_Bumballa" title="Raoul Bumballa">Raoul Bumballa-Burenau</a>, <a href="Viktor_M%C3%BCllner" title="Viktor Müllner">Viktor Müllner</a>, der Schriftsteller <a href="August_Hermann_Zeiz" title="August Hermann Zeiz">Georg Fraser</a>, der Sozialdemokrat Eduard Seitz, der liberale Emil Oswald und als Vertreterin der Kommunisten Klotilda Hrdlicka gehörte.
</p><p>Nach der Verhaftung Beckers am 28. Februar 1945 übernahm Bumballa-Burenau den Vorsitz im Siebener-Ausschuss und <a href="Franz_Sobek" title="Franz Sobek">Franz Sobek</a> wurde sein Stellvertreter.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Das_POEN">Das POEN</h2></div>
<p>Im Dezember 1944 wurde aus Personen aus dem Netzwerk der O5 das sogenannte <i>Provisorische Österreichische Nationalkomitee</i> (POEN) gebildet, das den Kern einer zukünftigen provisorischen österreichischen Regierung darstellen sollte. Zu seinen Mitgliedern gehörten neben Becker Josef Ezdorf, Friedrich Maurig, <a href="Ernst_Molden_(Journalist)" title="Ernst Molden (Journalist)">Ernst Molden</a>, <a href="Heinrich_Otto_Spitz" title="Heinrich Otto Spitz">Heinrich Otto Spitz</a>, Alfons Stillfried, <a href="Alfred_Verdross" title="Alfred Verdross">Alfred Verdross</a> und Bertha Lemberger. Laut Fritz Molden sollen auch <a href="Adolf_Sch%C3%A4rf" title="Adolf Schärf">Adolf Schärf</a> für die Sozialdemokraten und <a href="Viktor_Matejka" title="Viktor Matejka">Viktor Matejka</a> für die Kommunisten Mitglied des POEN gewesen sein. Beide hatten zwar Kontakte zur O5, bestritten aber, je Mitglied diese Gremiums gewesen zu sein, Matejka trat darüber hinaus erst im April 1945 der <a href="Kommunistische_Partei_%C3%96sterreichs" title="Kommunistische Partei Österreichs">KPÖ</a> bei.
</p><p>Über seine <i>Auslandsvertreter</i> <a href="Ernst_Lemberger" title="Ernst Lemberger">Ernst Lemberger</a> und <a href="Franz_Marek" title="Franz Marek">Franz Marek</a>, die im März 1945 in <a href="London" title="London">London</a> und <a href="Paris" title="Paris">Paris</a> Gespräche mit Alliierten und Exilorganisationen führten, erreichte das POEN, dass es von den Alliierten im Laufe des Frühjahrs 1945 ernst genommen wurde.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Kontaktaufnahme von Oberfeldwebel <a href="Ferdinand_K%C3%A4s" title="Ferdinand Käs">Ferdinand Käs</a> mit der <a href="9._Gardearmee_(Rote_Armee)" title="9. Gardearmee (Rote Armee)">9. Gardearmee</a> der <a href="S%C3%BCdwestfront_(Rote_Armee)" title="Südwestfront (Rote Armee)">3. Ukrainische Front</a> für Verhandlungen über die <a href="Operation_Radetzky" title="Operation Radetzky">geplante kampflose Übergabe Wiens</a> an die <a href="Rote_Armee" title="Rote Armee">Rote Armee</a> erfolgte aufgrund einer Vereinbarung über militärische Zusammenarbeit zwischen dem POEN und der <a href="Sowjetunion" title="Sowjetunion">Sowjetunion</a>.
</p><p>Verhaftungen vieler seiner Mitglieder in den ersten Monaten des Jahres 1945 verhinderte, dass das POEN nach dem Krieg politisch aktiv wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Kriegsende">Kriegsende</h2></div>

<p>Den Widerstandskämpfern wurde von Agathe <a href="Cro%C3%BF" title="Croÿ">Croÿ</a> das Wiener <a href="Palais_Auersperg" title="Palais Auersperg">Palais Auersperg</a> für Treffen zur Verfügung gestellt,<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> das sich in den letzten Kriegstagen zu einem Zentrum der O5 entwickelte. Schon während der <a href="Wiener_Operation" title="Wiener Operation">Befreiung Wiens</a> versuchte die O5 von hier aus ab 11. April 1945 neue Verwaltungsstrukturen für Wien aufzubauen.
</p><p>Allerdings traf dieses Vorhaben auf Widerstand der drei neu im Aufbau befindlichen politischen Parteien, die sich schon auf die (im November 1945 abgehaltenen) ersten <a href="Nationalratswahl_in_%C3%96sterreich_1945" title="Nationalratswahl in Österreich 1945">Nationalratswahlen der Zweiten Republik</a> vorbereiteten und auf überparteiliche Einrichtungen keinen Wert legten: Adolf Schärf von der <a href="Sozialdemokratische_Partei_%C3%96sterreichs" title="Sozialdemokratische Partei Österreichs">SPÖ</a> meinte, in der Gruppe einen Haupteinfluss der Kommunisten zu erkennen, <a href="Lois_Weinberger_(Politiker)" title="Lois Weinberger (Politiker)">Lois Weinberger</a> von der <a href="%C3%96sterreichische_Volkspartei" title="Österreichische Volkspartei">ÖVP</a> ortete im Palais „verschiedenste Elemente“ und „zweifelhafte Gestalten“ und für <a href="Ernst_Fischer_(Schriftsteller)" title="Ernst Fischer (Schriftsteller)">Ernst Fischer</a> von der KPÖ war dies eine „Bande von Gaunern, Schwindlern und naiven Leuten.“ Die Politiker sahen den Aufbau einer neuen Verwaltung als Aufgabe der Parteien und der Einfluss der – aus ihrer Sicht nicht legitimierten – Widerstandsbewegung sollte möglichst rasch ausgeschaltet werden. Der sowjetische Stadtkommandant von Wien Alexej Blagodatow befahl am 21. April 1945 die Registrierung öffentlicher und politischer Organisationen, was de facto die Auflösung der O5 bedeutete.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der spätere <a href="Bundespr%C3%A4sident_(%C3%96sterreich)" title="Bundespräsident (Österreich)">Bundespräsident</a> Adolf Schärf hielt rückblickend fest, der Gruppe hätten politische Profis gefehlt.
</p><p>Raoul Bumballa-Burenau wurde auf Vorschlag der ÖVP am 27. April 1945 in die <a href="Provisorische_Staatsregierung_Renner_1945" title="Provisorische Staatsregierung Renner 1945">Provisorische Staatsregierung Renner 1945</a> aufgenommen, wandte sich aber noch im gleichen Jahr von der ÖVP ab. In der auf Grund der Nationalratswahlen am 20. Dezember 1945 berufenen <a href="Bundesregierung_Figl_I" title="Bundesregierung Figl I">Bundesregierung Figl I</a> war die ehemalige Widerstandsbewegung nicht mehr vertreten, einige ihrer Mitglieder integrierten sich in den neuen Parteien.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rezeption_in_der_Zweiten_Republik">Rezeption in der Zweiten Republik</h2></div>
<p>Nach dem Krieg entwickelte sich in der öffentlichen Wahrnehmung aufgrund widersprüchlicher Zeitzeugenberichte und einer Forschungslage, in der noch nicht alle Quellen erschöpfend ausgewertet wurden, ein Bild der O5 als Dachorganisation aller österreichischer Widerstandsgruppen, deren Wirken und Einfluss deutlich überbewertet wurde. Somit entsprach der Ruf der O5 mehr ihrer propagandistisch überhöhten Selbstdarstellung gegenüber den Alliierten denn der Wirklichkeit. Diese <a href="Diskrepanz" title="Diskrepanz">Diskrepanz</a> erwähnte Carl Szokoll bereits kurz nach dem Krieg:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Ich konnte mich in den Kampftagen um die Befreiung Wiens davon überzeugen, dass der militärische sowie der politische Wert der O5 in keinem Verhältnis zu ihrer vorher geführten Propaganda stand. Mir ist auch in diversen Gesprächen mit O5-Führern nach der Befreiung Wiens keine einzige nennenswerte aktive Tat bekannt geworden.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <span class="Person h-card">Carl Szokoll</span><sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></div></div>
<p><a href="Wolfgang_Neugebauer_(Historiker%2C_1944)" title="Wolfgang Neugebauer (Historiker, 1944)">Wolfgang Neugebauer</a>, der langjährige wissenschaftliche Leiter des <a href="Dokumentationsarchiv_des_%C3%B6sterreichischen_Widerstandes" title="Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes">Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes</a>, schrieb zur O5:
</p>
<div class="Vorlage_Zitat" style="margin:1em 40px;">
<div style="margin:1em 0;"><blockquote style="margin:0;">
<p>„Die O5 kann nicht als <i>die</i> österreichisches Widerstandsbewegung dargestellt werden, wie es von manchen Zeitzeugen und Historikern getan wird; sie war, vor allem durch ihre politischen Ambitionen und alliierten Kontakte, eine der wichtigsten Widerstandsgruppen, aber keineswegs die Dachorganisation oder Leitungsgruppe des österreichischen Widerstands.“
</p>
</blockquote>
</div><div class="cite" style="margin:-1em 0 1em 1em;">– <span class="Person h-card">Wolfgang Neugebauer</span><sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></div></div>
<p>Der Historiker <a href="Oliver_Rathkolb" title="Oliver Rathkolb">Oliver Rathkolb</a> bezeichnete die O5 als keine Organisation im eigentlichen Sinn des Wortes, sondern eher eine „ideologische Überorganisation“, die vor allem durch ihre Propagandawirkung bis ins Ausland bekannt geworden ist. Unbestreitbar sei aber, dass sie eine politische Kraft darstellte, die gegen das NS-Regime konspiriert hatte und zumindest in Wien über einen Apparat verfügte, der die Verwaltung nach der Befreiung neu hätte wiederaufnehmen können.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Trivia">Trivia</h2></div>
<p>Im Film <i><a href="Der_dritte_Mann" title="Der dritte Mann">Der dritte Mann</a></i> aus dem Jahre 1949 ist in der berühmten abschließenden Verfolgungssequenz im Kanalisationsnetz von Wien in einer Einstellung ein <i>O5</i> auf der Kanalwand zu sehen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Oliver_Rathkolb" title="Oliver Rathkolb">Oliver Rathkolb</a>: <cite style="font-style:italic">Raoul Bumballa, ein politischer Nonkonformist 1945. Fallstudie zur Funktion der O–5 im Widerstand und in der Parteienrestauration</cite>. In: <a href="Rudolf_G._Ardelt" title="Rudolf G. Ardelt">Rudolf G. Ardelt</a>, Wolfgang J. A. Huber, <a href="Anton_Staudinger" title="Anton Staudinger">Anton Staudinger</a> (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Unterdrückung und Emanzipation. Festschrift für <a href="Erika_Weinzierl" title="Erika Weinzierl">Erika Weinzierl</a>. Zum 60. Geburtstag</cite>. Geyer-Edition, Wien / Salzburg 1985, ISBN 3-85090-119-X, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>295–317</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:O5&amp;rft.atitle=Raoul+Bumballa%2C+ein+politischer+Nonkonformist+1945.+Fallstudie+zur+Funktion+der+O-5+im+Widerstand+und+in+der+Parteienrestauration&amp;rft.au=Oliver+Rathkolb&amp;rft.btitle=Unterdr%C3%BCckung+und+Emanzipation.+Festschrift+f%C3%BCr+Erika+Weinzierl.+Zum+60.+Geburtstag&amp;rft.date=1985&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=385090119X&amp;rft.pages=295-317&amp;rft.place=Wien+%2F+Salzburg&amp;rft.pub=Geyer-Edition" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li><a href="Wolfgang_Neugebauer_(Historiker%2C_1944)" title="Wolfgang Neugebauer (Historiker, 1944)">Wolfgang Neugebauer</a>: <cite style="font-style:italic">Der österreichische Widerstand 1938–1945</cite>. Edition Steinbauer, Wien 2008, ISBN 978-3-902494-28-3, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>196–198</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:O5&amp;rft.au=Wolfgang+Neugebauer&amp;rft.btitle=Der+%C3%B6sterreichische+Widerstand+1938-1945&amp;rft.date=2008&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783902494283&amp;rft.pages=196-198&amp;rft.place=Wien&amp;rft.pub=Edition+Steinbauer" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li><a href="Manfred_Mugrauer" title="Manfred Mugrauer">Manfred Mugrauer</a>: <cite style="font-style:italic">Eine „Bande von Gaunern, Schwindlern und naiven Leuten“. Die Widerstandsbewegung O5 und die Kommunistische Partei Österreichs</cite>. In: <a href="Dokumentationsarchiv_des_%C3%B6sterreichischen_Widerstandes" title="Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes">DÖW</a> (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Jahrbuch 2016: Fanatiker, Pflichterfüller, Widerständige. Reichsgaue Niederdonau, Groß-Wien</cite>. Wien 2016, ISBN 978-3-901142-66-6, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>101–139</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.doew.at/cms/download/2c9ku/jb2016_mugrauer.pdf">Online</a> [PDF; <span style="white-space:nowrap">542<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>kB</span>; abgerufen am 1.&nbsp;September 2021]).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:O5&amp;rft.atitle=Eine+%E2%80%9EBande+von+Gaunern%2C+Schwindlern+und+naiven+Leuten%E2%80%9C.+Die+Widerstandsbewegung+O5+und+die+Kommunistische+Partei+%C3%96sterreichs&amp;rft.au=Manfred+Mugrauer&amp;rft.btitle=Jahrbuch+2016%3A+Fanatiker%2C+Pflichterf%C3%BCller%2C+Widerst%C3%A4ndige.+Reichsgaue+Niederdonau%2C+Gro%C3%9F-Wien&amp;rft.date=2016&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783901142666&amp;rft.pages=101-139&amp;rft.place=Wien" style="display:none">&nbsp;</span></li>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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Normdaten&nbsp;(Körperschaft): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4278490-6">4278490-6</a></span> | <a href="Virtual_International_Authority_File" title="Virtual International Authority File">VIAF</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://viaf.org/viaf/234711317/">234711317</a></span> </div>
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